Ich möchte in meinem Fremdenführer-Blog auch ein Buch über Tirol erwähnen, welches die Kunstgeschichte-Vortragende für die Fremdenführer-Ausbildung am Tiroler WIFI, Frau Dr. Monika Frenzel, dieser Tage veröffentlicht hat.

Zunächst die Eckdaten des Buches:

Tirol
Land der Berge. Zukunftsreich
von Monika Frenzel
Hardcover
288 Seiten; 207 farb. Abb.; 290 mm x 240 mm
Sprache: Deutsch
2016 Tyrolia
ISBN 978-3-7022-3569-7
Preis: € 34,95

Nun kurz zur Autorin. Der Klappentext gibt an, dass sie „versierte Kennerin der Kunst und Kultur des Landes“ ist. Durch meine persönliche Erfahrung aus der Fremdenführer-Ausbildung kann ich diese Angabe grundsätzlich bestätigen. Wie weit dieses breite Wissen allerdings im Buch auch seinen Platz findet, dazu komme ich später.

Als ich den Band zum ersten Mal in die Hand nahm, dachte ich zuerst, na bumm, ein ziemlich „gewichtiges“ Werk. Damit hatte ich nun bei der Ankündigung nicht wirklich gerechnet. „Frenzel-Bücher“, wie der bekannte Innsbruck-Stadtführer oder auch der Gartenführer, sind doch üblicherweise handlich, damit mensch sie auf einen Ausflug mitnehmen kann…

Die nächste Überraschung folgte sogleich, als ich neugierig in den neuen Band hinein blätterte. Hier fielen mir zunächst doch die Photos auf. Es sind viele, und auch viele doppelseitige Photographien. Gute, stimmungsvolle Bilder, welche die im Text angesprochenen Themen und Motive bildnerisch begleiten.  Und auch beim zehnten Durchblättern werde ich das Gefühl nicht los: es ist eigentlich ein Bildband und vergleichsweise sehr wenig textbetont.

Das wäre ja grundsätzlich eine gute Sache, wären die Bilder von einem, oder auch einem Team von zwei und drei Photographinnen gemacht worden, anstatt von 63 (wenn ich mich nicht verzählt habe), darunter aber mehrere mit einer größeren Anzahl an Bildspenden wie etwa das Ferdinandeum, die Tirol Werbung, etliche Tourismusverbände, die APA, Fotolia, Wikipedia, usw. Insofern minimiert sich plötzlich zwar nicht der (künstlerische) Anspruch der einzelnen Bilder für sich genommen, aber sehr wohl ihre insgesamte Homogenität – die Bilder hätten eine Geschichte erzählen können, anstatt nur Dekoration zu sein.

Und so finden sich hier die folgenden Themen:

  • „Tirol historisch“, mit einer überblicksartigen Zeittafel sowie den Kapiteln „Burgen, Festungen, Schlösser & Ansitze“, „Die Epoche Kaiser Maximilians I – Höhepunkt der Spätgotik“, „Haller Salz & Schwazer Silber“, „Renaissance in Tirol“, „Opernglanzzeiten“, „Barocke Spuren: Klöster, Stifte, Gärten & Paläste“ und „Tirol anno 1809: Das Rundgemälde am Bergisel“
  • „Tirol Modern – Vom Beginn der Moderne zur zeitgenössischen Kunst“ mit „Architektur der Zwischenkriegszeit“ , „Neues Bauen nach 1945“, „Der Aufbruch ins 21 Jahrhundert: Internationale Architekten bauen in Tirol“, „Architektur der jüngeren Generation“, „Zeitgenössische Alpinarchitektur: Bergbahnen, Restaurants & Aussichtsplattformen“, „Neuinterpretation von alpiner Gastronomie“ ,“Malerei der Moderne – Über die Grenzen Tirols bekannt“, „Moderne Bildhauer & Multimediakünstler aus Tirol“
  • „Museen und Erlebniswelten: Sehens- & Staunenswertes“, ein kurzer Abschnitt über „Top-Museen in Tirol“ und „Freilichtmuseen & Erlebniswelten“
  • In „Mythos & Glaube“ findet sich „Heiliges Land Tirol – Wie kam es zu diesem Mythos?“, „Die Anfänge des Fremdenverkehrs – Tourismuswerbung im Wandel“ und „Die „Faszination der Tradition“ im 21 Jahrhundert“
  • „Kulinarik“ bringt „Tiroler Küche im Wandel“ und „Das „Tiroler Wirtshaus““
  • „Wissenschaft, Forschung & Industrie“ handelt von „Bedeutende Universitäten und Unternehmen“
  • und zum Schluss folgen die Tiroler „Städteporträts“ mit „Innsbruck zwischen Urbanität & Alpinismus“, gefolgt von „Hall – Schwaz – Rattenberg – Kitzbühel – Kufstein – Imst – Landeck – Reutte – Lienz“

Dazwischen eingestreut wurden die Abschnitte „Gipfel-Erlebnisse“, „Sport-Erlebnisse“, „Tier-Welten“ mit jeweils einigen eindrucksvoll bebilderten Doppelseiten zum jeweiligen Thema.

Klar ersichtlich liegen die beiden Schwerpunkte dann letztlich einerseits, wie von der Autorin kaum anders zu erwarten, auf der Geschichte Tirols mit Betonung auf Kunstgeschichte, und andererseits – dann doch etwas überraschend –  auf moderner Architektur. Die anderen Themen werden eher kurz gehalten.

Die Texte sind insgesamt überblickshaft, eher sparsam und überfordern die Leserinnen nicht. Manchmal gehen sie ins Detail, wo es nicht nötig wäre, anderes wird jedoch ausgespart. Viele Erklärungen bieten die Bildunterschriften.

Warum lautet der Untertitel „Land der Berge, zukunftsreich“? Dass Tirol ein Land der Berge ist, ist offensichtlich, hieß es doch früher, bevor es den Namen der Grafen von Tirol erhielt, bloß „Land im Gebirg“. Und Berge kommen auf den Photographien schon auch immer wieder vor, sie werden jedoch nicht reflektiert. Und wo steckt die Zukunft? Von Seite 250-261 wird etwas über Forschung und Industrie berichtet. War es das? Vom Titel her hätte ich mir hier mehr erwartet, vor allem hätte das Land Tirol hier auch mal ein paar Visionen vorstellen lassen können. Ich hoffe ja doch, dass es welche hat.

Nebenbei, was ist mit Südtirol? Viele der genannten Themen könnten von beidseits des Brenners betrachtet werden. Oder ging das nicht, weil das Buch vom Land Tirol finanziert wurde?

Zusammen fassend würde ich sagen: das Buch bietet einen guten Überblick über (fast) alles, was mit Tirol zu tun hat, und wurde illustriert durch eine Fülle guter Photographien. Wohl bedingt durch die Themenvielfalt konnten aber kaum Themen im Detail ausgeführt werden, und eigentlich bietet sich auch nichts wirklich Neues über Tirol (das kann aber ein subjektiver Eindruck sein, da wir im Fremdenführer-Kurs das alles ja lernen). Das Werk ist aber sicher sehr gut geeignet als Geschenkband für junge Tirolerinnen und alle Menschen, die sich einen Überblick über Tirol verschaffen wollen und denen mensch mehr als einen schnöden Reiseführer schenken möchte.

Und für Fremdenführer-Kursteilnehmerinnen kurz vor der  Prüfung, zur Versicherung, dass sie eh alles wissen.

 

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