Making of: G’schamster Diener

Ich würde euch gerne ein wenig Einblick in die Arbeit bieten, die ein Austria Guide hat, wenn er eine Themenführung vorbereitet.

Zunächst gilt es natürlich, ein neues Thema zu finden: vorzugsweise eines, das noch niemand im Angebot hat, damit nicht die vierte Nachtwächterführung „erfunden“ wird. Da ich ursprünglich aus Wien stamme, war irgendwann die Idee da, eine entsprechende Figur zu entwickeln, den strafversetzten Beamten vom Wiener Kaiserhof, der eine Führung zu den barocken Schätzen Innsbruck macht, fakultativ mit Besichtigung der kaiserlichen Prunkräume der Hofburg. Nun, diese (viel zu lange) Version mit Spaziergang durch die Maria-Theresienstraße wurde „schubladisiert“ und reduziert auf die reine Hofburgführung.

Dann muss überlegt werden, was man erzählen möchte, und auf welche Weise man diese Geschichte(n) erzählen will. Bei mir war durch die Figur schon mal klar, ein strafversetzer Wiener Beamter wird wohl einen gewissen „Grant“ auf die Herrschaften darzustellen haben, er spricht natürlich „Schönbrunnerisch“… und das noch dazu mit vielen antiquierten Ausdrücken, möglichst „barock“ also. Thematisch ist durch die Räume schon einiges vorgegeben, da man diese ja nur in einer bestimmten Reihenfolge durchwandern kann, entsprechend gestalten sich dann die Geschichten, die dort erzählt werden.

Trotzdem will dies alles genau vorher überlegt sein: was kann man erzählen? Hier ist die Einschätzung der jeweiligen Gruppe wichtig: Wie „historisch“ darf ich werden? Sind Kinder dabei? Wieviel Spaß versteht die Gruppe? Und natürlich grundsätzlich die drei „gefährlichen“ Themen Sport, Politik und Religion vermeiden.

Natürlich ist auch auf die Länge zu achten, vor allem ich als bekanntes „Redhaus“ (Plaudertasche, Quasselstrippe) verfalle gerne (vor allem bei Zwischenfragen) in Abschweifungsorgien, die wertvolle Minuten kosten können.

Wenn die grobe Skizze steht, beginnt die Knochenarbeit: Recherche ist angesagt. Material aller Art ist zu beschaffen: natürlich primär Bücher, aber auch Bilder, Landkarten bzw. Stadtpläne.

Im konkreten Fall war es vor allem das barocke Hofleben, aber auch der Alltag der „ordinären“, also gewöhnlichen Leute, de vor allem zu rezipieren war. Ersteres war ziemlich kompliziert, aber gut dokumentiert, zumindest was die durchlauchtigsten Herrschaften betraf. Wie es dem umfangreichen Hofpersonal dabei ging, steht auf einem anderen Blatt.

Und dann musste dieses umfangreiche Faktenwissen noch in Form von „G’schicht’ln“ in das „Spiel“ integriert werden, vor allem: in welchem der dreißig Räume erzähle ich was? Es gibt ja spannendere Räume, wo man stundenlang vom Rokoko schwärmen kann, und dann ein paar langweilige (oder sogar unsympathische, z.B. den Gardesaal mit seinen kriegsverherrlichenden Darstellungen). Und vor allem: was mache ich mit den Räumen, deren Ausstellungsobjekte „nach meiner Zeit“ angesiedelt sind („Wer is denn diese Sisi, von der Ihr da allerweil redets?“)?

Was dabei rausgekommen ist, erfahren Sie hier: G’schamster Diener! Hinter den Kulissen des kaiserlichen Hofes

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