Fremdenführer-Lehrgang – Teil 2: Die ersten Unterrichtsstunden

Es scheint so, als ob es nun seit ungefähr zwei Jahren keinen Kurs mehr gegeben hätte. Zudem hatte die Lehrgangsleitung (vulgo „das WIFI“) offenbar beschlossen, die komplette Kurs-Organisation auf den Kopf zu stellen, und den „Unternehmer-Teil“ an den Anfang zu stellen, um die schriftliche Prüfung gleich am Ende des ersten Kursteils durchführen zu können. Die Gründe hierfür sind unbekannt, aber wir sind irgendwie froh, dass wir da schon einen großen, trockenen Brocken los sein würden und uns ganz aufs „Kerngeschäft“, die Fremdenführerei, konzentrieren könnten.

Da aber aus Zeitmangel nicht alle Vortragenden da sofort mitspielen konnten, hatten wir im ersten Semester nicht nur Marketing, Buchhaltung und Recht, sondern auch einige der klassischen Fächer. Hier also meine Eindrücke:

Ich bin ja in Wien aufgewachsen, daher wurde mir die Geographie Tirols nicht bereits in der Volksschule eingetrichtert, so richtig mit allen Gipfeln, Seitentälern, und Ortsnamen. Daher war ich bass erstaunt, welche Seitentäler von Seitentälern es alles gibt, und lernte sogar endlich, einen Punkt auf der Karte solch exotischen Namen wie „Gschnitztal“ zuzuordnen, von dem ich zwar in meinem altenpflegerischen Vorleben schon interessante Geschichten aus dem Mund einer hochbetagten Dame aus ebendiesem Tal gehört hatte, aber wo sich dieses nun tatsächlich befände, wenn nicht im Reich der Sage, war mir unbekannt gewesen.

Viel wesentlicher aber war die Erkenntnis, dass sich eigentlich alle anderen Weltgegenden hinter Tirol verstecken können. Also gesamt-touristisch gesehen, nicht etwa hinsichtlich besonderer Verdienste sozialer, politischer oder gesellschaftlicher Art – die Tiroler haben weder die Demokratie erfunden noch das Geld, nicht mal den Alpinismus. Auch hinsichtlich sinnvoller, nachhaltiger touristischer Detailplanung sind sie nicht gerade ein Vorzeigebeispiel. Aber trotzdem sprechen die Zahlen für sich –  Tirol hat im Tourismus einen wesentlichen Stützpfeiler seines Lebensunterhalts gefunden.

Und wir haben die prophetische Aussagekraft der Piefke-Saga von Felix Mitterer bestätigt gefunden. Natürlich nur vorsichtig andiskutiert, denn wenn touristische Praktikerinnen mit Vortragenden aus der Tirolwerbung in einem Haus der Wirtschaftskammer zusammen treffen, könnte schon das eine oder andere Fetzerl fliegen, wenn man es ließe.

So haben wir aber lieber die nackten Zahlen auf uns wirken lassen, die üblicherweise nicht so wahrgenommen werden, etwa, dass erst seit den 1980er Jahren der Winter- den Sommertourismus überholt hat. Oder dass das BIP in Tirol zu 16% vom Tourismus kommt, in Wien aber nur zu 1.8 %.

Doch ich will hierzu nicht zu sehr ins Detail gehen. Wen’s interessiert, kann sich gerne hier über meine Gedanken zum Tourismus in Tirol informieren.

Auch die Geschichte Tirols vom Ötzi bis heute wurde uns aus mehreren Sichten präsentiert. Denn nicht nur das Fach „Geschichte“, sondern auch die Volkskunde und die Kunstgeschichte schweben ja nicht im luftleeren Raum, in einer Art fachlichen Blase, vor sich hin, sondern kommen ohne die Geschichte(n) dahinter nicht aus. Und Namen wie „Friedl mit der leeren Tasche“, „Sigmund der Münzreiche“ oder „Maximilian I.“ tauchen hinter jeder Ecke und in allen möglichen Zusammenhängen immer wieder auf. Diese drei stecken eigentlich hinter allem, was Tirol im ausgehenden Mittelalter und der beginnenden Neuzeit so zu bieten hatte. Schwaz – eine Bergwerksstadt mit alleine 12.000 Knappen, die in einer Art Parallelgesellschaft allerlei soziale Errungenschaften vorzuweisen hatten, über die im Rest von Europa erst 250 Jahre später zaghaft nachgedacht wurde. Hall mit seinem Salzbergbau, und Innsbruck als Residenz- (doch nicht Haupt-) und Handelsstadt auf dem Weg von Venedig nach Augsburg.

Und so weiter. Spannende Dinge, die wir da lernen. Ja, sogar die „Unternehmerinnen-Fächer“ sind spannend, denn selbst Buchhaltung kann nämlich kurzweilig sein, wenn sie gut vorgetragen wird und auch nur das beinhaltet, was wir tatsächlich benötigen. Leider deckt sich das, was bei der Prüfung üblicherweise gefragt wird, nicht ganz mit dem (wenigen), was Fremdenführerinnen tatsächlich im „echten Leben“ an Buchführung brauchen.

 

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